Wo übernachten in Fès: Die besten Viertel im ehrlichen Vergleich
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Wo übernachten in Fès: Die besten Viertel im ehrlichen Vergleich

Fès verlangt genau das Gegenteil von Marrakesch. In Marrakesch kann man lange darüber streiten, ob die historische Medina oder die moderne Neustadt besser ist; in Fès ist die alte Medina der eigentliche und einzige Grund der Reise. Fès el-Bali ist die größte autofreie Fußgängerzone der Erde: über 9.000 verwinkelte Gassen, Maultiere für den Warentransport und ein spürbares Gefälle, das darüber entscheidet, wie anstrengend der Koffertransport wird. Die entscheidende Frage lautet daher nicht Medina oder Neustadt, sondern: An welchem Stadttor hält Ihr Taxi, und wie viele Stufen müssen Sie mit Ihrem Gepäck bergauf bewältigen?

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Auf einen Blick

  • Fès el-Bali – die historische Medina – ist der Grund Ihrer Reise. Sie ist die größte autofreie Zone der Welt: Kein Auto fährt bis vor Ihr Riad.
  • Das Stadttor ist wichtiger als die Adresse: Am Bab R'cif hält das Auto am nächsten zu den zentralen Riads; Bab Boujloud ist berühmt, liegt aber ganz oben am Berg.
  • Batha, direkt neben Bab Boujloud, ist die bequemste Ausgangsbasis für Erstbesucher – nahe an Sehenswürdigkeiten und mit direkter Pkw-Zufahrt.
  • Riads nahe den Chouara-Gerbereien locken mit Terrassenblick – und bringen den charakteristischen Ammoniakgeruch mit.
  • Die Ville Nouvelle ist modern, besitzt Bars und den Bahnhof – verfehlt bei einem Kurztrip aber das eigentliche Flair von Fès.
  • Riads in Fès sind im Schnitt günstiger und oft historisch prachtvoller als ihre Pendants in Marrakesch.

Fès besteht aus drei Städten, nicht einer

Unter dem Namen Fès verbergen sich drei völlig unterschiedliche Welten. Fès el-Bali ist die im 9. Jahrhundert gegründete, von Stadtmauern umgebene mittelalterliche Medina – ein UNESCO-Weltkulturerbe und der Grund, warum Reisende hierherkommen. Ein dichtes, teils überdachtes Labyrinth aus Gassen, in dessen Zentrum die Karaouiyine-Moschee liegt und in dem nichts breiteres als ein Esel hindurchpasst. Fès el-Jdid ('Neues Fès') ist die Stadterweiterung aus dem 13.

Jahrhundert: Hier befinden sich der Königspalast mit seinen berühmten goldenen Toren und das alte jüdische Viertel Mellah. Und schließlich die Ville Nouvelle, die in den 1920er-Jahren von den Franzosen zwei Kilometer weiter westlich angelegt wurde: moderne Boulevards, Kettenhotels, Bars und der Bahnhof. Fast alles Sehenswerte liegt in der ersten Stadt – und diese Tatsache sollte Ihre Hotelwahl bestimmen.

Fès el-Bali: Die Medina, die jedes GPS verschluckt

Viele Reisende kommen nach Fès, nachdem sie die Medina von Marrakesch besucht haben, und werden überrascht. Fès spielt in einer völlig anderen Liga der Komplexität: Tausende Gassen, viele davon tunnelartig überdacht, teils kaum schulterbreit, ohne Beschilderung und sich ständig gabelnd. Der Handyempfang bricht ab, das GPS versagt unter den Schilfdächern und jede Karte wird nach vier Abzweigungen nutzlos. Maultiere und Holzkarren transportieren die Waren; wenn jemand laut 'Balak!' ruft, drückt man sich am besten sofort an die Wand.

Zudem liegt die Medina an einem Hang: Die westlichen Tore liegen hoch, der Fluss und die Place R'cif tief im Tal – jeder Spaziergang ist ein ständiges Auf und Ab. Es ist absolut faszinierend und authentisch mittelalterlich, verlangt aber gute Planung für den Gepäcktransport.

Welches Stadttor ist Ihres? Die wichtigste Entscheidung

Fragen Sie Ihr Riad vor der Anreise unbedingt: An welchem Stadttor (Bab) hält der Wagen? Das Bab Boujloud (das Blaue Tor) ist das berühmte Fotomotiv, das Taxis standardmäßig ansteuern. Es liegt jedoch ganz oben am westlichen Hügelkamm: Das ist herrlich für den ersten Spaziergang hinunter durch die Souks, aber extrem beschwerlich, wenn Sie am Abreisetag schwere Koffer bergauf schleppen müssen.

Bab R'cif, unten am Fluss gelegen, ist der Insidertipp: Autos können bis direkt auf den Platz fahren, und von dort aus ist es zu den zentralen Riads um Seffarine und Karaouiyine viel näher und flacher. Das Batha-Viertel wiederum liegt knapp außerhalb von Boujloud und bietet hervorragende Pkw-Zufahrt. Lassen Sie sich den Namen des Tors vorab schriftlich geben.

Die Viertel innerhalb der Medina

Batha ist für Erstbesucher die unkomplizierteste Wahl: Sie sind in wenigen Gehminuten am Blauen Tor, beim Batha-Museum und an den Hauptsouks, während Taxis fast bis vor die Tür fahren können. Die Achsen der Talaa Kebira und Talaa Seghira bilden das pulsierende Herz der Altstadt – voll von Handwerkern, Essensständen und Fotomotiven, entsprechend lebhaft und tagsüber trubelig. R'cif ist die praktischste Wahl für Unterkünfte im Zentrum.

Das Kesselschmiede-Viertel Seffarine ist voller Atmosphäre, wo bis zum Abend das Hämmern auf Kupfer erklingt. Das Andalusier-Viertel auf der östlichen Flussseite ist die ruhige, kaum von Touristen berührte Wohngegend – authentisch, aber mit längeren Fußwegen. Und schließlich die Gassen rund um die Chouara-Gerbereien mit ihren spektakulären Dachterrassen.

Riad oder Dar – Handwerkskunst in Fès

Ein echtes Riad besitzt einen Innengarten, während ein Dar ein traditionelles Stadthaus mit gekacheltem Innenhof ohne Bepflanzung ist. Viele Riads in Fès übertreffen die Häuser in Marrakesch an historischer Pracht: Fès war die geistige und handwerkliche Hauptstadt des Reiches, was sich in jahrhundertealtem Zellschnitzwerk aus Zedernholz, raumhohen Zellige-Mosaiken und filigranem Stuck widerspiegelt. Oft zahlt man hier weniger für eine unvergleichlich schönere Bausubstanz.

Die Eigenheiten historischer Gemäuer bleiben bestehen: steile, geflieste Treppen ohne Aufzug, hellhörige Innenhöfe und Zimmer mit kleinen Fenstern, die zum Schutz vor der Sommerhitze gebaut wurden.

Fès el-Jdid und das Mellah

Die Erweiterung aus dem 13. Jahrhundert ist eine unterschätzte Alternative. Hier erwarten Sie die vergoldeten Messingtüren des Königspalastes, das jüdische Viertel Mellah mit seinen typischen Holzbalkonen, der alte Friedhof und der Markt Bab Semmarine. Die Gassen sind breiter, Taxis kommen deutlich näher heran und die Atmosphäre ist ruhiger als in Fès el-Bali. Zu Fuß erreichen Sie das Blaue Tor in etwa 10 bis 15 Minuten. Eine ideale Option für alle, die historisches Flair mit einfacherer Erreichbarkeit und weniger Trubel verbinden möchten.

Ville Nouvelle: Wann die Neustadt Sinn macht

Die von den Franzosen erbaute Neustadt ist das moderne Zentrum: Avenue Hassan II, Boulevard Mohammed V, moderne Business-Hotels mit Aufzügen und verlässlicher Klimaanlage, Bars mit Alkohollizenz und der ONCF-Bahnhof mit schnellen Zugverbindungen nach Rabat, Casablanca, Tanger und Marrakesch. Mit dem Petit Taxi sind es etwa 10 Minuten bis zum Bab Boujloud. Sinnvoll ist die Ville Nouvelle für Geschäftsreisende, bei einer sehr frühen Zugabfahrt oder wenn man nach einem anstrengenden Tag am großen Hotelpool entspannen möchte. Für einen klassischen Kultur-Kurztrip verpasst man hier jedoch den eigentlichen Zauber von Fès.

Was Unterkünfte in Fès wirklich kosten

Fès ist spürbar günstiger als Marrakesch bei vergleichbarer oder höherer Qualität. Richtwerte für die Zwischensaison (Doppelzimmer pro Nacht): Ein einfaches, sauberes Riad in der Medina kostet ca. 25–40 €; ein stilvolles Mittelklasse-Riad mit Frühstück und herrlicher Dachterrasse liegt bei 45–90 €; prachtvoll restaurierte historische Stadtpaläste kosten ab 150–250 €. Hotels in der Ville Nouvelle bewegen sich meist zwischen 35–70 €.

Im Frühling und Herbst, wenn das Wetter in Fès perfekt ist, sind die Preise am höchsten; im Hochsommer sowie im kalten Hochwinter bieten viele Riads attraktive Rabatte.

Ankunft vom Flughafen Fès-Saïss (FEZ)

Der Flughafen Fès-Saïss liegt rund 15 km südlich der Stadt – rechnen Sie mit ca. 20–25 Minuten Fahrtzeit bis zu den Toren der Medina. Da kein Auto in Fès el-Bali hineinfahren kann, stoppt der Fahrer am vereinbarten Stadttor, wo ein Gepäckträger mit Handkarren übernimmt. Der Unterschied zu Marrakesch liegt im steilen Hang: Das falsche Tor kann bedeuten, dass Sie 15 Minuten lang bergauf über holpriges Kopfsteinpflaster laufen müssen, anstatt 4 Minuten eben dahinzurollen. Gute Riads schicken einen Träger ans Tor, wenn Sie vorab Flugnummer und Landezeit durchgeben.

Wer sollte wo übernachten?

Erstbesucher für 2–3 Nächte: Ein Riad in Batha oder nahe Bab R'cif – grandiose Atmosphäre mit überschaubarem Gepäckweg. Fotografen und Kulturinteressierte: Tief in Fès el-Bali nahe Seffarine oder Karaouiyine. Ruhesuchende: Das Andalusier-Viertel oder Fès el-Jdid. Reisende mit Gehproblemen, Kinderwagen oder viel Gepäck: Batha, Fès el-Jdid oder ein Hotel in der Ville Nouvelle. Frühe Zugreisende: Die Ville Nouvelle nahe dem Bahnhof.

Typische Fehler in Fès

Ein Riad direkt an den Gerbereien zu buchen, ohne zu bedenken, dass der Terrassenblick mit starkem Taubenmist- und Ammoniakgeruch einhergeht. Sich vom Taxi automatisch am Bab Boujloud absetzen zu lassen, obwohl das Riad 20 Minuten bergab am Fluss liegt – und man am Abreisetag alles wieder hinaufschleppen muss. Zu glauben, man könne sich auf Google Maps verlassen: Unter den dichten Holz- und Schilfdächern versagt das GPS komplett. Lassen Sie sich immer den genauen Treffpunkt am Tor und die Telefonnummer des Riads vorab geben.

💡 Praktische Tipps vor Ort
  • Fragen Sie Ihr Riad schriftlich: An welchem Stadttor hält der Wagen und schicken Sie einen Träger?
  • Bab R'cif bietet meist den kürzesten und flachsten Gepäckweg zu zentralen Riads; Bab Boujloud liegt ganz oben am Berg.
  • Fès el-Bali liegt an einem Hang – planen Sie den steilen Anstieg am Abreisetag mit ein.
  • Blick auf die Gerbereien bedeutet auch Geruch. Für eine Stunde spannend, beim Frühstück jeden Morgen gewöhnungsbedürftig.
  • Die meisten Riads in der Medina schenken keinen Alkohol aus – prüfen Sie das vor der Buchung, falls Ihnen das wichtig ist.
  • Speichern Sie Telefonnummer und Name des Riads offline; in den überdachten Gassen bricht das Handynetz oft ab.

Häufig gestellte Fragen

Sollte ich in der Medina oder der Ville Nouvelle von Fès übernachten?

Fast ausnahmslos in der Medina. Fès el-Bali ist der Grund, warum man nach Fès reist. Anders als Guéliz in Marrakesch ist die Ville Nouvelle von Fès kein eigenes Reiseziel, sondern eine funktionale Neustadt zwei Kilometer außerhalb. Wählen Sie die Neustadt nur bei früher Zugabfahrt, für Geschäftsreisen oder wenn Sie zwingend einen Aufzug und einen großen Pool benötigen.

An welchem Stadttor sollte mein Taxi halten?

Fragen Sie unbedingt Ihr Riad – dies ist die wichtigste Frage überhaupt in Fès. Bab R'cif im unteren Talbereich bringt Autos meist am nächsten an die zentralen Unterkünfte um Seffarine und Karaouiyine. Bab Boujloud (das Blaue Tor) ist berühmt, liegt aber am oberen Bergkamm, was bei der Abreise einen anstrengenden Anstieg bedeutet.

Kann ein Taxi bis vor die Tür meines Riads in Fès fahren?

Nein, niemals innerhalb von Fès el-Bali. Es ist die größte autofreie Fußgängerzone der Welt und die Gassen sind viel zu eng. Ihr Fahrer hält am Stadttor, von wo aus ein Träger mit Handkarren Ihr Gepäck zum Riad bringt. Geben Sie Ihrem Riad vorab Ihre Flugnummer, damit Sie am Tor empfangen werden.

Ist es störend, nahe den Gerbereien zu wohnen?

Das hängt von Ihrer Geruchsempfindlichkeit ab. In den Chouara-Gerbereien wird mit Kalk und Taubenmist gearbeitet. Der stechende Ammoniakgeruch zieht je nach Wind über die Terrassen umliegender Riads. Für einen kurzen Besuch mit Minzzweig faszinierend, beim täglichen Frühstück auf der Dachterrasse für manche störend.

Ist die Medina von Fès schwieriger zu navigieren als Marrakesch?

Deutlich schwieriger. Fès el-Bali hat über 9.000 oft überdachte Gassen an einem steilen Hang, in denen das Smartphone-GPS meist versagt. Die Medina von Marrakesch lernt man in zwei Tagen; in Fès orientieren sich selbst Einheimische an markanten Orientierungspunkten.

Ist Fès günstiger als Marrakesch?

Ja, merklich. Fès war die historische Handwerker- und Gelehrtenstadt, daher sind die Riads oft prachtvoller verziert – mit Zedernholzschnitzereien, feinstem Stuck und Zellige-Fliesen –, kosten aber in der Mittelklasse (ca. 45–90 €) oft spürbar weniger als vergleichbare Häuser in Marrakesch.